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Aussagefähigkeit von Finanzkennzahlen

Das Betrachten mathematischer Verhältnisse der im Jahresabschluss eines Unternehmens ausgewiesenen Zahlen verschafft dir einen Eindruck davon, wie das Unternehmen läuft. Zudem bietet es Hinweise auf eventuelle Trading- und Investitionsgelegenheiten.

Unternehmen existieren jedoch nicht im Vakuum. Eine Reihe externer Faktoren kann je nach Wirtschaftsklima, staatlichen Maßnahmen und Marktsentiment die Aussagefähigkeit bestimmter Kennzahlen beeinflussen.

Auch im Hinblick auf das Unternehmen selbst sind bestimmte Ereignisse, beispielsweise die Benennung eines neuen Geschäftsführers oder die Einführung eines neuen Produkts, für Investoren nicht immer vorhersehbar. Diese Dinge können Handelsentscheidungen, die du aufgrund der Analyse früherer Finanzzahlen getroffen hast, nichtig machen.

Darum ist es wichtig, beim Betrachten von Finanzkennzahlen vorsichtig zu sein. Behalte im Auge, was ihre Aussagefähigkeit einschränken und welche anderen Faktoren sie unmaßgeblich machen könnten.

Unternehmen existieren nicht im Vakuum. Externe Faktoren wie die Wirtschaftslage, staatliche Maßnahmen und Marktsentiment wirken sich auf ihren Aktienkurs aus, ebenso wie interne Vorgänge wie beispielsweise ein neu lanciertes Produkt oder ein neuer Geschäftsführer.

 

Jedes Unternehmen ist anders

Unternehmen unterscheiden sich, besonders, wenn sie in verschiedenen Branchen aktiv sind.

In den drei vorherigen Lektionen hatten wir bereits angesprochen, dass kapitalintensive Unternehmen wie Flugzeughersteller auf höheres Fremdkapital angewiesen sind, über weniger liquide Mittel verfügen und meistens langsamer wachsen als beispielsweise Softwareunternehmen.

Diese Faktoren wirken sich bei Entscheidungen über den Kauf oder Verkauf von Aktien auf die Auslegung von Kennzahlen wie den Verschuldungsgrad oder die Kapitalrendite aus.

Unternehmen mit hohen Lagerbeständen, die sie theoretisch schnell in Barmittel umwandeln könnten (beispielsweise Einzelhändler), müssen im Hinblick auf Zahlen wie beispielsweise die Current Ratio anders betrachtet werden als Bauunternehmen.

Größe ist ein Faktor

Unternehmen sind auch je nach Größe unterschiedlich zu betrachten.

Gering kapitalisierte Unternehmen müssen oft mehr für ihre Verschuldung zahlen als hoch kapitalisierte. Das wirkt sich auf die Interpretation von Kennzahlen wie den Zinsdeckungsgrad aus. Außerdem wachsen sie meistens schneller, was beispielsweise die Berechnung des Discounted Cashflow beeinflusst.

Alle Unternehmen unterscheiden sich. Ihre Kennzahlen sollten jeweils im Zusammenhang mit der Branche und der Größe des Unternehmens betrachtet werden.

 

Umschwung in der Unternehmensentwicklung

Die Entwicklung eines Unternehmens kann sich durch ein einziges Ereignis radikal ändern. In einem solchen Fall ist eine Analyse seiner historischen Performance völlig irrelevant.

Mit der Einführung des iPod änderten sich beispielsweise die Finanzkennzahlen für Apple dramatisch, vom Kurs-Gewinn-Verhältnis bis hin zum Marktwert, mit dem Analysten das Unternehmen einstuften.

Ein neuer Geschäftsführer kann zudem radikale Änderungen in einem Unternehmen bewirken, die Investoren nicht vorhersehen und in ihren Analysen berücksichtigen konnten.

Eine neue Geschäftsführung kann umfassende Umstrukturierung im Unternehmen bewirken, einschließlich der Erhöhung oder Verringerung der Schuldenaufnahme und des Umgangs mit anderen Kosten. Insbesondere Performancekennzahlen können sich infolgedessen rapide ändern. Andere Kennzahlen wie beispielsweise das Kurs-Buchwert-Verhältnis können irreführend werden.

Unternehmen können sich über Nacht verändern, wenn beispielsweise ein neuer Geschäftsführer benannt oder ein beliebtes neues Produkt lanciert wird. Damit wird eine Analyse ihrer historischen Performance irrelevant.

 

Marktsentiment und Makrofaktoren

Das Marktsentiment kann sich sehr schnell ändern. Die Risikobereitschaft anderer Trader kann den Kurs von Aktien, in die du investiert hast, wesentlich beeinflussen, ungeachtet der Fundamentalfaktoren, die du bei deiner Analyse betrachtet hattest.

Die Risikotoleranz kann steigen

Zu bestimmten Zeiten zeigen Investoren höhere Risikobereitschaft als sonst, beispielsweise bei steigender Konjunktur, wenn Zinssätze niedrig sind und Aktienmärkte insgesamt wachsen.

In solchen Zeiten sind sie eventuell bereit, auch in riskantere Unternehmen zu investieren, die sie sonst nicht erwägen würden, beispielsweise in gering kapitalisierte Firmen mit hohem Risiko, oder solche mit einer schwachen Finanzperformance und niedrigen Kennzahlen.

Das kann rasch den Aktienkurs von Unternehmen in die Höhe treiben, in die du aufgrund deiner Fundamentalanalyse beschlossen hattest, nicht zu investieren – oder die du, falls du CFDs tradest, leer verkaufen wolltest.

Die Risikobereitschaft kann fallen

Werden andere Trader hingegen risikoscheuer, kann der Aktienkurs eines Unternehmens, das du genau analysiert und als grundlegend stark eingestuft hattest, wie die Kurse ähnlicher Unternehmen fallen, weil Investoren sich aus diesem Markt zurückziehen.

Das Marktsentiment kann sich auf den Aktienkurs von Unternehmen auswirken, in die du investierst, ungeachtet ihrer grundlegenden Stärken oder Schwächen.

 

Wirtschaftszyklen ändern sich

Ebenso können Änderungen im Wirtschaftszyklus, in der Besteuerung, der staatlichen Gesetzgebung oder sogar im Wetter sich unverhältnismäßig auf einzelne Branchen auswirken. Aktienkurse können infolgedessen Niveaus erreichen, die lediglich aufgrund der gemeldeten Finanzzahlen eines Unternehmens nicht gerechtfertigt sind.

 

Zusammenfassung

In dieser Lektion hast du gelernt, dass ...

  • … Finanzkennzahlen nur begrenzt aussagefähig und nützlich sind.
  • … Unternehmen nicht im Vakuum existieren. Externe Faktoren wie die Wirtschaftslage, staatliche Maßnahmen und Marktsentiment wirken sich auf ihren Aktienkurs aus.
  • … interne Vorgänge wie beispielsweise ein neu lanciertes Produkt oder ein neuer Geschäftsführer den Aktienkurs ebenfalls beeinflussen.
  • … alle Unternehmen unterschiedlich sind und ihre Kennzahlen jeweils im Zusammenhang mit Branche und Größe des Unternehmens betrachtet werden sollten.
  • … Unternehmen sich über Nacht verändern können, wenn beispielsweise ein neuer Geschäftsführer benannt wird. Damit wird eine Analyse ihrer historischen Performance irrelevant.
  • … das Marktsentiment sich auf den Aktienkurs von Unternehmen auswirken kann, in die du investierst, ungeachtet ihrer grundlegenden Stärken oder Schwächen.
  • … Änderungen im Wirtschaftszyklus, in der Besteuerung, der staatlichen Gesetzgebung oder sogar im Wetter ebenfalls Aktienkurse beeinflussen können.